Was ist Körperverletzung mit Einverständnis?

Von Mario Meyer
Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten
Was ist Körperverletzung mit Einverständnis?
Was ist Körperverletzung mit Einverständnis?
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Recht verständlich: ein kleiner Exkurs ins Gesetz

Körperverletzung mit Einverständnis – geht das?

Im deut­schen Straf­recht ist unter dem Begriff der Kör­per­ver­let­zung eine Straf­tat zu ver­ste­hen. Die­se ist im Straf­ge­setz­buch (StGB) in den Para­gra­fen 223 bis 231 gere­gelt. Jedoch gibt es auch hier­bei Aus­nah­men. Näm­lich wenn die­se Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis geschieht. Gera­de in der BDSM-Sze­ne ist es weit ver­brei­tet, sich gegen­sei­tig an sei­ne phy­si­schen sowie auch psy­chi­schen Gren­zen zu brin­gen. Dies geschieht in den meis­ten Fal­len mit einer Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis. Die­je­ni­gen, die sol­che Prak­ti­ken sexu­ell erre­gen, soll­ten eines beden­ken. Näm­lich dass Sexua­li­tät nicht immer eine Pri­vat­an­ge­le­gen­heit ist. Bei Domi­nanz und Unter­wer­fung han­delt es sich nicht immer nur um The­men, wel­che ins Schlaf­zim­mer gehö­ren.


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Körperverletzung mit Einverständnis - geht das?Was unterscheidet herkömmliche Gewalt von der BDSM-Szene?

Das Ver­hal­ten von frau­en­ver­ach­ten­den Män­nern inner­halb der eige­nen vier Wän­de ist mitt­ler­wei­le zur gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät gewor­den. Mil­lio­nen von Frau­en wei­sen Trau­ma­ta auf, die oft Män­ner im Rah­men häus­li­cher Gewalt ver­ur­sa­chen. Folg­lich sind sie Opfer von Kör­per­ver­let­zun­gen gewor­den. Aber auch Män­ner kön­nen Opfer von kör­per­li­cher Gewalt wer­den. So ist es kei­ne Sel­ten­heit, dass auch Män­ner miss­han­delt und gequält wer­den. Und sei es nur, weil sie auf Grund ihrer pro­vo­kan­ten Art einer Schlä­ger­ban­de zum Opfer fal­len. Fast jeder wird der­ar­ti­ge Sze­nen ken­nen. In die­sem Fall unter­schei­det ein Merk­mal die her­kömm­li­che Gewalt­be­zie­hung von der BDSM-Sze­ne. Und zwar die­ses Merk­mal, dass die Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis voll­zo­gen wird.

BDSM als Machtspiel

Macht­un­gleich­hei­ten sind der Schlüs­sel zu der­ar­ti­gen Prak­ti­ken. Denn die­se wer­den hier­bei ero­ti­siert. Zwar über­schrei­ten die Anhän­ger des BDSM für den Groß­teil der Men­schen gewis­se Gren­zen. Aller­dings ist frag­lich, wer die­se Gren­zen über­haupt fest­legt. Nur weil eine Sache nicht der Norm ent­spricht, wird sie als grenz­über­schrei­tend abge­tan. Beim BDSM ist nicht immer nur die Frau die Unter­wor­fe­ne. Auch hier kön­nen die Rol­len getauscht wer­den. Nicht sel­ten kommt es vor, dass sich ein Mann, wel­cher im All­tag Anwalt ist, auf der sexu­el­len Ebe­ne unter­wer­fen möch­te. Er möch­te von sei­ner sexu­el­len Part­ne­rin in die Schran­ken gewie­sen wer­den und eine Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis erfah­ren.

Nach­dem zahl­rei­che Frau­en die Bücher und Fil­me mit dem Titel "Shades of grey" rezi­piert haben, stieg der Umsatz von Sex­shops auf Grund einer Viel­zahl von BDSM-Uten­si­li­en. Jedoch ist an die­ser Stel­le zu erwäh­nen, dass die Inhal­te die­ser Bücher und Fil­me nicht die gän­gi­ge Pra­xis ist. Für Anhän­ger der BDSM-Sze­ne geht es nicht um diver­se Fan­ta­sien. Es geht um ech­te Schmer­zen, Ver­let­zun­gen und Gewalt. Das Gan­ze ist ein­ge­bet­tet in ein Rol­len­spiel aus Domi­nanz und Unter­wer­fun­gen. Fes­sel- und Schlag­spie­le sowie Bestra­fun­gen sind selbst­ver­ständ­lich nicht aus­ge­schlos­sen. Gera­de dies macht der­ar­ti­ge Rol­len­spie­le so inter­es­sant.

Körperverletzung mit Einverständnis - geht das?Ist BDSM strafbar als Körperverletzung mit Einverständnis?

Im Sexu­al­straf­recht ist ganz klar gere­gelt, wann der­ar­ti­ge Hand­lun­gen straf­bar sind und wann nicht. Grund­sätz­lich darf die Kör­per­ver­let­zung nur mit Ein­ver­ständ­nis des Gegen­übers durch­ge­führt wer­den. Der Vor­wurf der Ver­ge­wal­ti­gung sowie der sexu­el­len Nöti­gung ist in vie­ler­lei Fäl­len vor­zu­fin­den.

Oft kommt es auf den Ein­zel­fall an. Deut­sche Rich­ter sind mitt­ler­wei­le sen­si­bi­li­siert, was das The­ma SM angeht – und ken­nen sich eini­ger­ma­ßen gut aus, was in der Sze­ne vor sich geht. Aller­dings gibt es in Deutsch­land hier ein star­kes Nord-Süd-Gefäl­le. Beob­ach­ter gehen davon aus, dass bei­spiels­wei­se in Ham­burg die Recht­spre­chung zur The­ma­tik BDSM wesent­lich zeit­ge­mä­ßer ist als etwa in Bay­ern.

Wir kön­nen jedoch fest­hal­ten: Grund­sätz­lich sind Prak­ti­ken des BDSM immer straf­bar, sofern die Kör­per­ver­let­zung nicht im Ein­ver­ständ­nis bei­der Par­tei­en statt­ge­fun­den hat. Oder die «Täter» die Gren­zen, wel­che man in den Para­gra­fen 216 bis 228 StGB defi­niert hat, über­schrei­ten.

Kann man sich bei BDSM absichern?

Damit in jedem Fall die Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis voll­zo­gen wird, hilft es, sich abzu­si­chern. Grund­sätz­lich soll­ten bei­de Part­ner ein­wil­li­gen. Die­se Ein­wil­li­gung kann still­schwei­gend oder aus­drück­lich erklärt wer­den. Da es sich bei der Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis um eine Art Spiel für bei­de Par­tei­en han­delt, muss es zu jeder Zeit mög­lich sein, die­ses Spiel zu been­den. Es emp­fiehlt sich, im Vor­feld ein soge­nann­tes Safe­word zu ver­ein­ba­ren. Dies gewähr­leis­tet, dass die Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis durch­ge­führt wird. Mit die­sem Signal­wort hat der devo­te Part­ner die Mög­lich­keit, kund zu tun, dass er etwas nicht möch­te und der akti­ve Part eine Gren­ze über­schrei­tet.

Eben­so kann man zur Absi­che­rung Screenhots von Pro­fi­len auf ein­schlä­gi­gen Por­ta­len anfer­ti­gen, damit der pas­si­ve Part hin­ter­her nicht behaup­ten kann, «mit der Mate­rie BDSM nichts am Hut zu haben». Hier hilft es auch, Kon­ver­sa­tio­nen über Mes­sen­ger, Email et cete­ra auf­zu­be­wah­ren. Ein wirk­sa­mer Schutz ist dies frei­lich nicht, kann aber im Fall der Fäl­le vor Gericht oder bei der Poli­zei hel­fen.

Körperverletzung mit Einverständnis - geht das?Wann ist eine Körperverletzung mit Einverständnis dennoch strafbar?

Damit eine Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis straf­bar ist, muss Lebens­ge­fahr bestehen. Lebens­ge­fahr defi­niert die Judi­ka­ti­ve so, dass auch tat­säch­lich eine Gefahr für das Leben des­je­ni­gen bestehen muss. Hier­zu zäh­len über­mä­ßi­ge Trit­te, Schlä­ge sowie Bis­se an emp­find­li­chen Stel­len, star­kes Wür­gen bis zur Bewusst­lo­sig­keit, so dass Ersti­ckungs­ge­fahr besteht und auch Trit­te und Schlä­ge gegen den Kopf. Auch gefähr­li­che Stran­gu­la­ti­ons­nach­stel­lun­gen oder Fol­ter­me­tho­den mit nach­hal­ti­gen Schä­den, die die Gefahr des Todes in sich ber­gen, sind als straf­ba­re Hand­lun­gen beim BDSM anzu­se­hen. Genau wie Kan­ni­ba­lis­mus, der – Ein­ver­ständ­nis des Betrof­fe­nen hin oder her – eben­so unter Stra­fe steht.

Fazit

Zusam­men­fas­send ist zu sagen, dass sexu­el­le Hand­lun­gen nicht aus­schließ­lich Pri­vat­sa­che sind. Grund­sätz­lich darf eine Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis durch­ge­führt wer­den. Jedoch ist an die­ser Stel­le zu beach­ten, dass sie nicht gegen die Sit­ten­wid­rig­keit ver­stößt. Dies bedeu­tet, dass kei­ne Gefahr für Leib und Leben bestehen darf. Hier­bei ist von einer tat­säch­li­chen Lebens­ge­fahr aus­zu­ge­hen. Die­se rüh­ren bei­spiels­wei­se her von Schlä­gen bezie­hungs­wei­se Trit­ten gegen den Kopf oder extre­mem Wür­gen. Das heißt, dass der­ar­ti­ge Hand­lun­gen straf­bar sind, selbst wenn die­se Kör­per­ver­let­zung mit Ein­ver­ständ­nis durch­ge­führt wird.


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