BDSM in der DDR – Gelebter Fetisch im Sozialismus

Von Mario Meyer
Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten
BDSM in der DDR – Gelebter Fetisch im Sozialismus
BDSM in der DDR - Gelebter Fetisch im Sozialismus
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Fetischismus und BDSM in der DDR

Verfolgung, Beobachtung, Schwarze Liste: Ein Fall für die Stasi

Der schwie­ri­ge Weg des Feti­schis­mus und des BDSM in der DDR


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Sex soll laut der Regie­rung in der 1990 unter­ge­gan­ge­nen Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (DDR) frei gewe­sen sein. In eini­gen Punk­ten galt die DDR sogar als weit­aus frei­zü­gi­ger als der Wes­ten. Aber war der geleb­te Feti­schis­mus in der DDR zumin­dest gedul­det und wie stand es um BDSM in der DDR? Die­se Fra­gen las­sen sich nicht so ein­deu­tig und mit einem Ja oder Nein beant­wor­ten. Denn wäh­rend die Sexua­li­tät zwi­schen Män­nern und Frau­en als erwünscht galt, gab es doch bei eini­gen Spar­ten der Sexua­li­tät zumin­dest Ein­schrän­kun­gen.

Randgruppen auch in der DDR

Zwar wur­de der soge­nann­te Schwu­len­pa­ra­graf, das Gesetz § 175, wel­ches Homo­se­xua­li­tät unter Stra­fe stell­te, bereits 1968 annul­liert. Aller­dings wur­den des­we­gen Schwu­le von der Staats­po­li­zei durch­aus obser­viert und die Grün­dung von Schwu­len­grup­pie­run­gen galt als nicht wün­schens­wert. Les­ben dage­gen wur­den nicht ernst genom­men. Ande­re Spiel­ar­ten wie BDSM in der DDR hat­ten nur im Unter­grund ihre Ruhe. Sie wur­den zwar offi­zi­ell nicht ver­folgt oder waren geäch­tet, jedoch waren die­se Spiel­ar­ten der Sexua­li­tät auch nicht erwünscht.

BDSM in der DDR - Fetischismus im SozialismusDer Feti­schis­mus in der DDR wur­de eben­falls bes­ten­falls gelit­ten und hat­te durch­aus durch die Ein­schrän­kun­gen zu lei­den. So hat­ten unter ande­rem Leder­fe­ti­schis­ten kein leich­tes Leben, denn Leder war Man­gel­wa­re und daher beson­ders schwer zu bekom­men. Aber jedoch auch die Sado­ma­so-Sze­ne in dem Arbei­ter- und Bau­ern­staat hat­te ihre eige­nen Schwie­rig­kei­ten mit dem rigo­ro­sen Sys­tem, deren Anfüh­rer prak­tisch alles kon­trol­lie­ren woll­ten. Zudem wur­de die SM-Sze­ne in dem sozia­lis­ti­schen Staat als deka­dent ein­ge­stuft, was sie als uner­wünscht brand­mark­te und daher stand der BDSM in der DDR genau wie der sexu­el­le Feti­schis­mus unter staat­li­cher Beob­ach­tung.

BDSM in der DDR nur im Untergrund

Obwohl die DDR sich gern als sexu­ell groß­zü­gig prä­sen­tier­te, hat­ten Men­schen, die sich außer­halb der erwünsch­ten Norm benah­men, weni­ger zu lachen. Es gab kei­ne offi­zi­el­len Clubs, in denen die Anhän­ger von BDSM in der DDR ihre Nei­gun­gen aus­le­ben konn­ten. So etwas ging bes­ten­falls im Gehei­men und sicher nur in den Pri­vat­räu­men. Es gab auch kein Sex­spiel­zeug zu kau­fen, was von den Anhän­gern von BDSM in der DDR eini­ges an Bas­tel­ge­schick und Ein­falls­reich­tum abver­lang­te, indem sie ihre Spiel­zeu­ge und das Zube­hör selbst her­stel­len oder impro­vi­sie­ren muss­ten. Der Staats­schutz beob­ach­te­te zudem alle Akti­vi­tä­ten von SM-Anhän­gern. Dies geht aus den vie­len Akten her­vor, die über Men­schen mit Nei­gun­gen zum Sado-Maso oder Bon­da­ge ange­legt wur­den.

Ver­öf­fent­li­chun­gen aus dem Kreis von ost­deut­schen Fes­ti­schis­ten wie 'Club Capri­ce' wur­den juris­tisch belangt und immer wie­der vor Gericht gestellt. In den Büchern über Sexua­li­tät für Jugend­li­che wur­de BDSM in der DDR als ver­weich­licht und als Vor­stu­fe zum Lust­mord gewer­tet. Die Ver­un­glimp­fung in den offi­zi­el­len Auf­klä­rungs­wer­ken zeigt den Stel­len­wert für die Regie­rung. So wur­de alles dafür getan, um eine Sze­ne für BDSM in der DDR zu ver­hin­dern. In der Regel wur­de es tot­ge­schwie­gen und wo es auf­tauch­te, beka­men die Anhän­ger des Sado­ma­so­chis­mus in der DDR Repres­sa­li­en zu spü­ren. Sie wur­den von der staat­li­chen Sei­te behin­dert und aus­ge­grenzt, wo immer sie konn­ten, um die­se "sexu­ell abar­ti­gen Aus­schwei­fun­gen" zu unter­drü­cken.

Fetischismus in der DDR wurde totgeschwiegen

Ähn­lich wie der BDSM in der DDR hat­ten es auch die Feti­schis­ten schwer und wur­den vom Staat arg­wöh­nisch beob­ach­tet. Je nach Art des Fetisch war der Feti­schis­mus in der zwei­ten deut­schen Repu­blik ent­we­der schwie­rig oder über­aus kost­spie­lig.

BDSM in der DDR - Fetischismus im SozialismusSo hat­ten zum Bei­spiel Män­ner mit einem Fetisch für Fein­strumpf­ho­sen zum einen unter dem Man­gel zu lei­den wie auch unter den hohen Prei­sen. Eine ein­fa­che Fein­strumpf­ho­se kos­te­te damals um die 20 Mark, was ein klei­nes Ver­mö­gen dar­stell­te. Aber auch Feti­sche für High Heels und der­glei­chen waren schwer zu befrie­di­gen. Und muss­ten ent­we­der sel­ber her­ge­stellt oder auf Umwe­gen im Wes­ten orga­ni­siert wer­den. Der Feti­schis­mus in der DDR wur­de allen­falls im Pri­va­ten aus­ge­lebt. In der Sze­ne für geleb­ten Feti­schis­mus in der DDR gab es kei­ne Form der öffent­li­chen Orga­ni­sa­ti­on. Geschwei­ge denn Mög­lich­kei­ten für Men­schen mit ähn­li­chen Nei­gun­gen, sich in sepa­ra­ten Räum­lich­kei­ten zu tref­fen.

Wie auch beim BDSM in der DDR hat­te auch der Feti­schis­mus mit den Ein­schrän­kun­gen zu kämp­fen. Gera­de der Feti­schis­mus in der DDR ist auf sei­nen Ideen­reich­tum ange­wie­sen. Beson­ders um die pas­sen­den Kne­bel oder die Out­fits in Lack, Leder oder Gum­mi nach den eige­nen Vor­stel­lun­gen zu erschaf­fen. Sich in der Öffent­lich­keit mit ihren Nei­gun­gen zu prä­sen­tie­ren, ist jedoch für die Feti­schis­ten kaum mög­lich gewe­sen und wur­de von der staat­li­chen Sei­te so gut wie mög­lich unter­bun­den. Wie auch die Anhän­ger von BDSM in der DDR immer wie­der mit viel Ableh­nung und den ent­spre­chen­den Repres­sa­li­en zu kämp­fen hat­ten, so hat­ten Feti­schis­ten gegen eine Art von Ver­leum­dung zu kämp­fen. Immer­hin wur­den sie von staat­li­cher Sei­te als deka­dent ein­ge­stuft. Dies brach­te den Feti­schis­mus in der DDR auf die Schwar­ze Lis­te, was eine zuneh­men­de Aus­gren­zung aus der Gesell­schaft bedeu­te­te.

BDSM in der DDR und in der Bundesrepublik: Öffentlichkeitstauglich?

Ob Dom, Sub oder auch Domi­na, die Bür­ger des Arbei­ter- und Bau­ern­staa­tes waren ein­ge­schränkt im Aus­le­ben ihrer Sub­kul­tu­ren. Das Inter­net gab es noch nicht, Gleich­ge­sinn­te konn­ten aber auch nicht offen über zum Bei­spiel Zei­tungs­in­se­ra­te gefun­den wer­den. BDSM in der DDR war mit­un­ter schwie­rig zu orga­ni­sie­ren. Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da, Hören­sa­gen, heim­li­ches Ver­ab­re­den waren die Mit­tel zum Zweck. Aber wer woll­te, konn­te auch die­se Hür­den meis­tern. Und so gab es auf im zwei­ten deut­schen Staat eine – wenn auch klei­ne – Sze­ne.

Wie wir alle wis­sen, ist die DDR mitt­ler­wei­le Geschich­te und die Gesell­schaft tas­tet sich – wenn auch lang­sam – an die The­men Fetisch & BDSM her­an. So rich­tig salon­fä­hig sind die The­men Sado­ma­so­chis­mus, Bon­da­ge, Fetisch und Kink aller­dings auch heu­te noch nicht. Wie in der Les­ben- und Schwu­len­be­we­gung gibt es aber auch hier Vor­rei­ter, die­se Kern­punk­te der Feti­schis­ten in die Öffent­lich­keit zu tra­gen. Damit viel­leicht eines Tages jed­we­de sexu­el­le Nei­gung akzep­tiert wer­den wird.

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