Schwanz oder Pussy: Wann ist ein Mann ein Mann?

Von Laura Buschmann
Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten
Schwanz oder Pussy: Wann ist ein Mann ein Mann?
Schwanz oder Pussy: Wann ist ein Mann ein Mann?
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Eine oft gestellte Frage: Wann ist ein Mann ein Mann?

Deprogrammiere dein Gehirn, was auch immer das für dich bedeutet

Wür­dest du Buck Angel auf der Stra­ße tref­fen und dich fra­gen, wann ein Mann ein Mann ist, könn­te es pas­sie­ren, dass du sei­nen täto­wier­ten Ober­ar­men oder sei­nem Charme erliegst.


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Soll­test du das Glück haben, mit ihm im Bett zu lan­den, könn­te es sein, dass du eine Über­ra­schung erlebst. Denn wenn du bei dem Kerl, der in jeden Har­ley-Club einer belie­bi­gen Stadt pas­sen wür­de, einen statt­li­chen Schwanz und ein paar dem­entspre­chen­de Eier erwar­test, wirst du nicht auf dei­ne Kos­ten kom­men.

Es gibt nicht keinen Schwanz, sondern stattdessen eine Pussy

Buck Angel war eine Frau. Was du viel­leicht wirk­lich erst bemer­ken wür­dest, wenn die letz­te Hül­le fällt.
Es reicht auch, einen sei­ner selbst gemach­ten Por­nos zu sehen, und du wirst stau­nen. Ich jeden­falls staun­te genug, um neu­gie­rig zu sei­nem Vor­trag zu ren­nen und mich zu fra­gen, wann ein Mann ein Mann sei.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Dort erzähl­te er, dass es nicht nur mir so gegan­gen war. Extre­me Reak­tio­nen sind ihm bekannt. Als er mit sei­nen Por­nos an die gro­ßen Por­no­fir­men in Ame­ri­ka trat, waren die­se völ­lig vor den Kopf gesto­ßen. Sie frag­ten ihn „was er für ein Freak sei“, und schick­ten ihn weg. Was – wie Buck tref­fend bemerk­te – schon ein wenig ver­rückt war. Gab es nicht im Por­no­ge­schäft jede erdenk­li­che Ver­rückt­heit? „Und mich nann­ten sie Freak?“, frag­te er ins Publi­kum. Spä­ter stell­te sich her­aus, dass sie so ableh­nend gewe­sen waren, weil sie ange­nom­men hat­ten, er hät­te sich den Schwanz chir­ur­gisch ent­fer­nen und durch eine Pus­sy erset­zen las­sen. Buck lach­te. „Es war so viel ein­fa­cher“. Er war eine Frau, wur­de zum Mann – und hat sei­ne Pus­sy behal­ten. Die Por­no­in­dus­trie muss­te bald ein­se­hen, dass Buck etwas ver­kör­per­te, was so außer­ge­wöhn­lich war, dass er schnell eine wach­sen­de Fan­ge­mein­de fand.

Wäh­rend Buck vor der Lein­wand stand und rede­te, gab es kei­nen Zwei­fel, dass da ein Mann mit Cha­ris­ma sprach. Wie er von sei­nem Leben erzähl­te und wie er zum Por­no­ge­schäft kam, wie ihn Ableh­nun­gen ange­spornt haben, sich mehr ins Zeug zu legen („to push har­der“), bis zu sei­nen ers­ten Aus­zeich­nun­gen und der Auf­füh­rung sei­ner Porn-Dokus auf Film­fes­ti­vals, die nicht auf Por­no-Fans begrenzt waren. Moment um Moment wur­den mehr Fra­gen auf­ge­wor­fen, je mehr Ant­wor­ten er gab.

Die Grenzen beginnen im Kopf – Wann ist Mann ein Mann?

Wie unbe­grenzt ist das Gehirn, und woher kom­men eigent­lich Gren­zen? Inzwi­schen dürf­te jede erdenk­li­che Spiel­form des Sex bebil­dert wor­den sein. Viel­leicht sind geneig­te Span­ner schon über Fil­me von femi­ni­nen Män­nern mit Tit­ten gesto­ßen. Es ist noch mal etwas ganz Ande­res, wenn da ein mus­ku­lö­ser Mann mit Pus­sy auf­taucht. Da wird eins der hart­nä­ckigs­ten Kli­schees der Mensch­heit zer­legt: Das Ide­al vom Alpha-Männ­chen.

Wenn Männ­lich­keit, gera­de von Män­nern, ger­ne über ihren Schwanz und ihre Potenz defi­niert wird, muss ein Erd­be­ben statt­fin­den, wenn ein poten­ter Kerl ohne Schwanz auf­taucht.

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Wo steht geschrie­ben, wann ein Mann ein Mann ist? Buck Angel frag­te: „Wür­dest du als Mann durch einen Unfall dei­nen Schwanz ver­lie­ren, wür­dest du dich dann nicht immer noch als Mann füh­len?“ Hof­fent­lich. Oder ist an der Sage der Kas­tra­ti­ons­angst von Män­nern wirk­lich was dran? Gäbe es wirk­lich Frau­en oder Män­ner, die ihre Iden­ti­tät ver­lie­ren, sobald (von der Schul­me­di­zin) (vor-)bestimm­te Kör­per­at­tri­bu­te weg­fal­len? Woher kom­men die weit­läu­fi­gen Vor­stel­lun­gen und Schub­la­den von „Frau“ und „Mann“, die Fixie­run­gen auf Äußer­lich­kei­ten? Sind sie noch aktu­ell?

Buck Angel zeig­te Aus­schnit­te aus sei­nen neu­en Por­no­pro­duk­tio­nen, in denen er ande­re Män­ner, oder genau­er, jun­ge­Män­ner mit Pus­sys, vor­stell­te. Jungs und Paa­re, die er fand, weil sie durch sein Vor­bild den Mut gefun­den haben, vor der Kame­ra ihre Geschich­te zu erzäh­len, wäh­rend auf einem Split­screen zu sehen ist, wie der glei­che Junge/das Paar nackt Sex hat.

Doku-Porn – männlich und weiblich sind flexible Begriffe

Hier wur­den nicht nur sexu­el­le Bedürf­nis­se befrie­digt. Buck nennt es „Doku-Porn“. Die Fil­me zei­gen Men­schen mit Gefüh­len. Sen­si­ble Män­ner, ver­wund­bar, und selbst­be­wusst. Jeder der Aus­schnit­te, die grob betrach­tet, in den Bereich „Cas­ting“ pas­sen könn­ten, war ein Mani­fest. Für die freie Wahl des Gen­der, des Geschlechts.

Zur Erin­ne­rung: „Männ­lich und weib­lich“ sind fle­xi­ble Begrif­fe. Die natur­ge­ge­be­nen Geni­ta­li­en sagen wenig dar­über aus, wie sich ein Mensch fühlt, und zu wel­chem Gen­der er/sie sich zuge­hö­rig, oder von wel­chem Gen­der er/sie sich ange­zo­gen fühlt. (Es ist ohne­hin höchs­te Zeit, das Wort „Ge(h)schlecht“ zu begra­ben, denn wie kann etwas „schlecht“ beinhal­ten, was soviel Leben brin­gen kann?)

Ein Mann wie Buck Angel hat in sei­ner Kind­heit noch gelit­ten, weil er nicht sein durf­te, was er fühl­te, was er wirk­lich war. Weil es kei­ne Rol­len­mo­del­le für ihn gab, an denen er sich ori­en­tie­ren hät­te kön­nen oder die ihm Inspi­ra­ti­on geschenkt hät­ten. Im Kör­per eines Mäd­chens soll­te er Mäd­chen­rol­len erfül­len. Was ihn damals in tie­fe Ver­zweif­lung trieb. Hier ist einer sei­ner Beweg­grün­de für sei­ne Hand­lun­gen: Er weiß, dass in eben die­sem Moment jun­ge Leu­te in ihren Kör­pern unglück­lich sind, weil sie die gesell­schaft­lich gefor­der­ten Vor­ga­ben nicht erfül­len kön­nen oder wol­len.

Woher stammen Geschmacksmuster und Beuteraster eigentlich?

Buck Angel hat einen lan­gen Weg hin­ter sich. Es ist an sei­ner Prä­senz heu­te zu spü­ren. Er beschränkt sei­nen Weg nicht auf die Pro­duk­ti­on von Por­nos. Er möch­te sich nicht eines Tages als 80jähriger Porn­star sehen. Ein „DILF“, wie er scherzt. „Ein Dad­dy I Like to Fuck“.

Was ist Fisting? Wir erklären es euch im Sexlexikon!Er ist das leben­de Bei­spiel dafür, dass man sich vor der Kame­ra aus­zie­hen und den­noch ein Moti­va­tor sein kann. Es ist ihm ein Bedürf­nis zu allen zu spre­chen, nicht nur zur Trans- oder Que­er­ge­mein­schaft. Er hält Vor­trä­ge, auch an Schu­len, wo er Jugend­li­che erreicht, und ihnen Mut macht, sich in ihren Kör­pern wohl zu füh­len, zu dem zu ste­hen, was sie für sich als rich­tig erkannt haben. Was auch immer das sein mag. An dem Abend wur­de gelacht, es gab gro­ße Gefüh­le und noch mehr Inspi­ra­ti­on. Es ist inspi­rie­rend zu hin­ter­fra­gen, woher die „per­sön­li­chen“ Geschmacks­mus­ter und Beu­te­ras­ter stam­men. Es ist inspi­rie­rend, wenn da Men­schen Fra­gen auf­wer­fen, wes­halb heut­zu­ta­ge über­haupt noch Schub­la­den auf­ge­macht wer­den, um Leu­te dort rein­zu­ste­cken.

„Sie“ und „er“ sind mitt­ler­wei­le nur noch Rich­tungs­an­ga­ben. Mög­lich­kei­ten, um zu defi­nie­ren, wann ein Mann ein Mann ist. Das pri­mä­re Ziel des 21. Jahr­hun­derts darf an die­ser Stel­le sein, von ver­al­te­ten Kon­struk­ten los­zu­las­sen oder die­se Kon­struk­te nur noch zu leben, wenn sie wirk­lich Spaß machen. Wenn sie kei­nen Spaß machen, dür­fen sie durch ein belie­bi­ges Bild ersetzt wer­den. Das Bild, das für dich passt, exis­tiert noch nicht? Dann schaf­fe es. Es wird ohne­hin höchs­te Zeit, dass schi­cke Frau­en­schu­he nicht nur bis Grö­ße 39 pro­du­ziert wer­den. ;-)

Ein Hauptpunkt für alle, um in die Welt zu treten

Wenn dabei Ver­wir­rung auf­kommt, wann ein Mann ein Mann sei, könn­te das womög­lich dar­an lie­gen, dass es da ein sprach­li­ches Pro­blem gibt. Denn wenn „er“ und „sie „ nicht län­ger klar defi­niert sind – wozu dann noch Wor­te wie „er“ und „sie“ benut­zen..?

Buck Angel ist ein Bei­spiel dafür, dass Por­no weit mehr sein kann als ein bil­li­ges Mit­tel schnell einen Trieb abzu­re­agie­ren. Sei­ne Por­nos, sein gan­zes Sein, sind ein State­ment. Ein­mal einen Film von Buck Angel gese­hen – und sämt­li­che Rol­len­kli­schees erschei­nen wie eine rie­si­ge Komö­die.

Zusam­men­ge­fasst brach­te er es am Ende des Abends mit weni­gen Sät­zen auf den Punkt:

„Ich lern­te, mich zu lie­ben. Ein Haupt­punkt für alle, um in die Welt zu tre­ten und Teil der Welt zu sein. Depro­gram­mie­re dein Gehirn, was auch immer das für dich bedeu­tet. Depro­gram­mie­re dich, von dem was die Gesell­schaft dich den­ken mach­te, wie dein Weg sein müs­se. Sei wie du sein willst.“

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