Trans-Behindert: Gesunde sitzt freiwillig im Rollstuhl

Von Stephan Gubenbauer
Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten
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Muti­ge Frau redet offen über ihre Trans-Behinderung


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Jørund Vik­to­ria Alme kommt ursprüng­lich aus Nor­we­gen und ist trans-behin­dert. Das bedeu­tet, dass sie sich behin­dert fühlt, obwohl ihr Kör­per es nicht ist. Im Fal­le der Frau aus Oslo besteht der Wunsch, von der Hüf­te an abwärts gelähmt zu sein. Hier­für greift Alme auf einen Roll­stuhl zurück. Trans-behin­dert wie sie ist, tut ihr das völ­li­ge Ruhen ihrer Bei­ne sehr gut.

Body Integrity Identity Disorder

Die­se psy­chi­sche Stö­rung wird auf deutsch Kör­per­in­te­gri­täts-Iden­ti­täts­stö­rung genannt. Betrof­fe­ne haben das Gefühl, zu vie­le Glied­ma­ße zu haben. Die Kör­per­tei­le wer­den bei der Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der von den Betrof­fe­nen qua­si weg­ge­wünscht. Wer trans-behin­dert ist, ver­spürt tat­säch­lich den Wunsch, das ent­spre­chen­de Kör­per­tei­le nicht funk­tio­nie­ren wür­den oder voll­ends nicht da wären.

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Zu Selbst­ver­stüm­me­lun­gen kommt es glück­li­cher­wei­se nur in Ein­zel­fäl­len. Wer trans-behin­dert ist, muss sich in Geduld üben. Denn eine wirk­sa­me Behand­lung der Ursa­chen liegt noch nicht vor. Aller­dings kann eine Psy­cho­the­ra­pie das durch eine Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der ver­ur­sach­te Leid mindern.

Mutiger Schritt in die Öffentlichkeit

Jørund Vik­to­ria Alme ist trans-behin­dert und ging damit an die Öffent­lich­keit. Ein muti­ger Schritt, den ihr nicht all­zu vie­le nach­ma­chen wer­den. Dass die Sym­pto­me die­ser psy­chi­schen Stö­rung bei einer brei­ten Öffent­lich­keit auf Unver­ständ­nis sto­ßen, war im Vor­feld klar. Okay, natür­lich hat die brei­te Mas­se Begrif­fe wie Trans-Behin­dert oder Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der noch nie gehört. Dass der ein oder ande­re im ers­ten Moment falsch reagiert, ist zu ent­schul­di­gen. Doch die Nor­we­ge­rin muss­te sich unter ande­rem mit den nega­ti­ven Reak­tio­nen ande­rer Roll­stuhl­fah­rer aus­ein­an­der­set­zen. Spä­tes­tens hier hört der Spaß auf, denn die arme Frau aus Oslo hat sich ihre Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der gewiss nicht frei­wil­lig ausgesucht.

Reaktionswelle auf Twitter

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Unmen­gen von Men­schen haben sich zu Wort gemel­det, nach­dem sich Alme mit ihrem Pro­blem an die Öffent­lich­keit gewandt hat. Da gibt es Rück­mel­dun­gen von ande­ren Roll­stuhl­fah­rern, die sich von ihr ver­al­bert füh­len. Sie berich­ten von ihrer Situa­ti­on, den täg­li­chem Umgang mit dem Roll­stuhl und den Schmer­zen, die sie erlei­den müs­sen. Dass sich jemand qua­si frei­wil­lig in einen Roll­stuhl setzt, kön­nen sie nicht ver­ste­hen und betrach­ten es als Ver­höh­nung ihrer Situation.

Es gibt sogar Men­schen, die an ver­gan­ge­ne Zei­ten erin­nern, in denen die arme Nor­we­ge­rin mit ihren Pro­ble­men in der Psych­ia­trie gelan­det wäre. Das sol­che Aus­sa­gen von zur­zeit akti­ven Poli­ti­kern getä­tigt wer­den, lässt einem dann doch zumin­dest einen Schau­er über den Rücken lau­fen. Zu frisch sind noch die Erin­ne­run­gen der deut­schen Geschich­te. Schon sehr scha­de, dass man auch zu sol­chen Gele­gen­hei­ten immer wie­der dar­an erin­nert wird.

Für ande­re steht der psy­cho­lo­gi­sche Effekt der Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der im Vor­der­grund. Sie betrach­ten den Roll­stuhl als das, was er ist. Näm­lich als Hilfs­mit­tel. Wenn jemand Trans-Behin­dert ist, kann die­ses Gerät eben­falls hel­fen. Und dafür wur­de der Roll­stuhl schließ­lich erfun­den. Um zu helfen.

Doch so schön Reak­tio­nen die­ser Art auch sind. Sie kön­nen nicht ver­schlei­ern, dass der Groß­teil der Reak­tio­nen nega­tiv ist. Dies kann der Anony­mi­tät des Inter­nets geschul­det sein. Es kann aber auch dar­an lie­gen, dass es heut­zu­ta­ge noch sehr vie­le Leu­te gibt, für die psy­chi­sche Krank­hei­ten nicht wirk­lich exis­tie­ren. Men­schen, die immer noch glau­ben, dass sich die Betrof­fe­nen dies alles ledig­lich ein­re­den. Hof­fen wir für die­se Men­schen, dass sie nie­mals sel­ber in eine die­ser Situa­tio­nen kom­men. Psy­chi­sche Erkran­kun­gen sind ein schwe­res Laster.

Kleine Anmerkung am Rande

Im Gespräch mit der Nor­we­ge­rin erfuhr man, dass der Roll­stuhl ihr stän­di­ger Beglei­ter ist. Sie ver­lässt die­sen nur dann, wenn es nicht anders geht. Beim Ein­stei­gen in ein Flug­zeug zum Bei­spiel. Auch wenn sie sich qua­si selbst an den Roll­stuhl gefes­selt hat, ver­zich­tet Jørund Vik­to­ria Alme auf die Benut­zung von Behin­der­ten­park­plät­zen. Denn theo­re­tisch kann sie ja lau­fen, auch wenn ihr dies psy­chi­sche Schmer­zen berei­tet. Das Gan­ze war zwar nur eine Bemer­kung am Ran­de, lässt die Frau aus Nor­we­gen aber gleich um eini­ges sym­pa­thi­scher wir­ken. Denn wer sich, trotz der eige­nen schwie­ri­gen Situa­ti­on, an die Benimm-Regeln im Stra­ßen­ver­kehr hält, für den gibt es Sympathiepunkte.

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Fazit

Egal, wie man im Ein­zel­nen zu Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der und deren Aus­wir­kung steht. Wie bei jeder Krank­heit kann sich jeder­man glück­lich schät­zen, der sie nicht hat. Und hof­fent­lich auch nie­mals bekom­men wird. Wer gesund ist, ver­gisst meist viel zu schnell, wie gut er es hat. Erst, wenn einem alles nicht mehr so ein­fach von der Hand geht, merkt man den Unter­schied. Wenn selbst ehe­mals ein­fa­che Din­ge schwie­rig wer­den, wird man sich sei­ner Krank­heit bewusst. So geht es zumin­dest bei kör­per­li­chen Krank­hei­ten, deren Sym­pto­me all­ge­mein bekannt und aner­kannt sind.

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Doch wie sieht es mit psy­chi­schen Stö­run­gen aus? Hier gibt es lei­der noch immer einen gro­ßen Auf­klä­rungs­be­darf. Depres­si­ve Men­schen haben sich ihre Stim­mun­gen bestimmt nicht aus­ge­sucht. Auch kann man sie mit einem lapi­dar dahingesagten"jetzt sei doch mal posi­tiv" reparieren.

Psy­chi­sche Stö­run­gen gibt es in den unter­schied­lichs­ten Facet­ten. Trans-Behin­dert oder Body Inte­gri­ty Iden­ti­ty Dis­or­der sind lei­der nur ein Bruch­teil aller psy­chi­schen Erkran­kun­gen. Die Art, wie das eige­ne Umfeld mit die­ser Situa­ti­on umgeht, ist meist ent­schei­dend. Wen der Freun­des­kreis intakt ist und zusam­men­hält, ist den Betrof­fe­nen meist schon viel gehol­fen. Trotz­dem soll­te man auf pro­fes­sio­nel­le Hil­fe nicht ver­zich­ten. Nicht umsonst dau­ert so ein Medi­zin­stu­di­um meh­re­re Jahre.

Quel­len: heu​te​.at /​ Dating Fin­der


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