BDSM trotz Behinderung – Eine Betroffene erzählt

Von Mario Meyer
Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten
BDSM trotz Behinderung – Eine Betroffene erzählt
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Aufgeben ausgeschlossen: BDSM trotz Behinderung

Silke* ist 26 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl – querschnittsgelähmt ab dem Becken abwärts. Es war der Winter 2009, als die Straßen in Bielefeld glatt waren und die damals gerade 17jährige Schülerin über die Straße hechtete, um ihren Bus noch zu erwischen. Plötzlich schleuderte ein Auto auf sie zu, dem auf der Kreuzung die Vorfahrt genommen wurde. Heute spricht sie mit Eronite über BDSM mit Behinderung, Fesseltechniken und Breathplay.


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Sexualität mit Einschränkungen

Silke lag sieben Monate im Koma, erlitt mehrere Rippenbrüche, ein Knie war zertrümmert. Doch schlimmer noch – ihr Rückenmark war verletzt worden. Ihre Beine konnte sie fortan nicht mehr bewegen.

BDSM trotz Behinderung – Eine Betroffene erzähltWenn die gelernte Außenhandelskauffrau aus Ostwestfalen am Unfallort vorbeirollt, kommen all die Erinnerungen an die Zeit nach dem Koma wieder hoch. Als sie erfuhr, daß sie nie wieder würde eigenständig gehen können. Die Wut auf den Autofahrer, der seinen Wagen nicht unter Kontrolle hatte. Der Ärger über sich selbst, dass sie noch unbedingt schnell über die Straße rennen musste. Zwei Selbstmordversuche hat Silke bereits hinter sich. Einen zwei Monate nachdem ihr die schreckliche Diagnose eröffnet wurde. Da lag sie noch in der Klinik. Und den zweiten dann vor fünf Jahren in der Tagesklinik. Beim ersten schluckte sie ganz klassische eine Überdosis Schlafmittel, aber im Krankenhaus wurde das Pflegepersonal schnell auf sie aufmerksam. Beim anderen Suizidversuch fuhr sie mit ihrem Rollstuhl in einen See, versuchte zu ertrinken, doch aufmerksame Passanten zogen sie rechtzeitig aus dem kalten Wasser.

Heute ist Silke mit einem Franzosen verheiratet und in ihrer kinderlosen Ehe mehr als glücklich. „Ich habe den verständnisvollsten Ehemann gefunden, den man sich vorstellen kann.“, erzählt sie uns mit einem Strahlen im Gesicht. Und fügt leise, aber mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und einen einfühlsamen Dom.“ Die Frau mit dem blonden Pferdeschwanz ist bekennende Anhängerin des BDSM (Sadomasochismus). Sie selbst bezeichnet sich als devote Sklavin. Nichts deutet mehr hin auf ihre psychischen Probleme, die sie noch bis vor drei Jahren hatte. Ihr Partner gibt ihr Halt, macht ihr Mut, hört ihr zu.

Sie wirkt fröhlich, erscheint gutgelaunt zu unserem Interview. Sie bittet uns vorher, ihren richtigen Namen nicht zu nennen und auf den Fotos ihr Gesicht nicht zu zeigen. Natürlich kommen wir diesem Wunsch nach. Als wir sie vor einem halben Jahr fragten, ob wir sie zum Thema „BDSM und Behinderung“ vorstellen und befragen dürften, willigte sie sofort ein. Wir trafen sie im Bielefelder Café Thumel zu Kaffee und Kuchen.

Eronite  Silke, wir danken dir sehr herzlich, dass du unsere Einladung zum Interview angenommen hast. Wir hatten befürchtet, du würdest vielleicht ablehnend reagieren bei einer solch doch nicht ganz alltäglichen Anfrage. Wir freuen uns, dass es dir heute so gut geht.
Silke  Ja, heute gibt’s keine Schlaftabletten mehr zum Mittagessen. Aber vielleicht fahre ich nachher zum See. Keine Sorge, nur zum Entspannen. (Sie lacht) Als Eure Anfrage kam, habe ich keine Sekunde gezögert. Ich möchte anderen Menschen mit Behinderungen Mut machen, zu ihrer Sexualität zu stehen. So wie ich das auch tue. Es sollte kein Hindernis sein und erst recht kein Tabu. Dennoch stoße ich in der Szene oft auf Ablehnung, daher ziehen wir jetzt übrigens auch nach Südfrankreich, in die Heimat meines Mannes. Dort kennt mich niemand und die Menschen sind offener.

Eronite  Das sind ja Neuigkeiten! Wann geht es denn los?
Silke  Es ist bereits alles vorbereitet, die Möbelspedition kommt in drei Wochen und verlädt unser ganzes Umzugsgut. Wir ziehen in die Provence. Mein Mann Alexandre stammt aus einem Dörfchen bei Aix-en-Provence. Ich war noch nie dort, habe mir aber alle Videos und Fotos angesehen, die ich finden konnte. Eine wunderschöne Landschaft. Ich gehe davon aus, dass ich dort auch als „Rolli“ klarkomme und Wertschätzung erfahre.

Silke gibt Auskunft über BDSM mit Behinderung

Eronite  Silke, dein dramatischer Unfall liegt inzwischen über zehn Jahre zurück. Hast du dich an den Rollstuhl gewöhnt, oder ist er weiterhin ein Fremdkörper für dich?
Silke  Ich nehme ihn als das, was er ist: als Hilfsmittel. Er unterstützt mich dabei, von A nach B zu kommen, und er ersetzt meine Beine. Ich habe ein neutrales Verhältnis zu meinem Rollstuhl.

Eronite  Aber er erlaubt dir auch, BDSM trotz Behinderung zu praktizieren. Magst du uns erzählen, wie SM mit einer behinderten Frau läuft?
Silke  Ich bin ausgeprägt devot veranlagt, Alexandre ist ein bekennend dominanter Mann. Insofern haben wir uns gesucht und gefunden. Wir ergänzen uns als Dom und als Sub perfekt. Ich war anfangs gänzlich unerfahren und konnte mir nicht vorstellen, wie diese Form von Sex für mich als Sklavin möglich sein sollte. Obwohl ich die Lust darauf ganz stark spürte.

Eronite  Hat dich dein Ehemann ein wenig gepusht?
Silke  Das würde ich so nicht sagen. Er hat mich eher gelockt. Manchmal erwähnte er, dass SM mit Behinderung möglich ist – und wie wunderbar es dabei abgehen könnte. Ich habe zwar die Ohren gespitzt und die Fantasien dazu genossen, aber praktisch rangetraut habe ich mich erst nach Monaten. Und siehe da: BDSM trotz Behinderung ist möglich. (Sie lächelt). Und ganz, ganz toll!

Eronite  BDSM mit Behinderung – wie sollen wir uns das vorstellen? Bist du die Sklavin, die nicht davonlaufen kann und alle Befehle ihres Meisters unterwürfig ausführt?
Silke  Das geht schon ziemlich in die richtige Richtung. Aber wir haben natürlich Absprachen. Und ein Stoppwort, wenn Alexandre mal über die Stränge schlägt. Ist erst zwei Mal vorgekommen. Ich musste mich aber nicht fürchten, nur um ein Stopp bitten. Das macht man verbal, eben mit Safeword. Oder durch Tappen, Abklopfen auf deutsch. Doch um eure Frage genauer zu beantworten: Bei einem Breathplay – also mit Atemkontrolle – muss er sich bei mir schon etwas vorsehen und kann nicht in die Vollen gehen. Wir lieben es beide absolut, ihm die Kontrolle über meinen Atem zu überlassen. Das hat viel mit Vertrauen und Hingabe zu tun.

Eronite  Das klingt sehr interessant. Bei euch geht BDSM trotz der Behinderung also weit über Bondage & Co. hinaus?
Silke  Stimmt. Wir sind beide von Natur aus neugierig und mutig, denke ich. Meine Risikobereitschaft ist natürlich eingeschränkt. Darauf müssen wir alles abstimmen, was wir an BDSM und Fetisch ausprobieren und beibehalten.

BDSM trotz Behinderung: Atemkontrolle

Eronite  Uns interessieren auch die Details. Eine Frage zwischendurch: Spielt sich alles ausschließlich zwischen dir und deinem Ehemann ab? Sind gelegentlich auch andere Personen beteiligt?
Silke  Ihr habt den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich kann mir gut vorstellen, auch die Dienerin zweier oder mehrerer Herren zu sein. Da gibt es bei Alexandre noch eine Schranke. Er wiederum hätte Lust auf mehr als eine Sklavin. Was ich verstehe, aber nicht unbedingt billige. Wir diskutieren diesen Punkt noch, aber ich weiß schon, wer der Sieger sein wird. Alexandre kennt in seiner Heimat Leute, die ebenfalls BDSM trotz Behinderung praktizieren. Vielleicht ergeben sich daraus neue Konstellationen. Ich bemühe mich um Aufgeschlossenheit, so weit es mir möglich ist.

Eronite  Toll, wie offen du bist. Bestimmt gibt es auch Schwierigkeiten bei SM mit einer behinderten Frau, oder?
Silke  Klar, ich habe ja keine Kraft in den Beinen, spüre sie nicht einmal. Will ich Qualen lustvoll erleiden, müssen die meinen Leib und meine Arme betreffen. Den Kopf schütze ich meistens mit einer robusten Ganzkopfmaske. Ich verrate euch aber nicht, wie die aussieht beziehungsweise was ich damit darstelle.

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Eronite  Gibt es bestimmte Outfits, die du für BDSM bevorzugst?
Silke  Schon, Latex geht immer. (Sie verdreht die Augen). Bei der Atemkontrolle beispielsweise wird ja mein Atem extrem eingeschränkt. Diese Form von BDSM kann trotz Behinderung ausgeübt werden. Ich helfe nach, indem ich sehr enge Klamotten anziehe. Alexandre hilft mir gelegentlich, ein Mieder oder ein Korsett anzulegen. Er hat meinen Oberkörper auch schon mit Stoff oder mit Folie umwickelt. Das Einatmen lässt sich außerdem durch entsprechende Halsbänder erschweren. Wir haben auch schon einen Knebel zum Aufpumpen und verschiedenen Würgetechniken ausprobiert. Mehr möchte ich zu diesem Thema aber lieber nicht offenbaren. Schließlich gelten Breathplays vor dem deutschen Gesetz als sittenwidrig. Na ja, strenge Atemkontrolle ist tatsächlich nicht ganz ungefährlich. Man muss einander vorbehaltlos vertrauen.

Fesselnde Spiele mit Bewegungseinschränkung

Eronite  Das war ja nun schon ein tiefer und intimer Einblick. Für uns ist das alles sehr informativ. Und wir hoffen, es fühlen sich auch andere aufgerufen, über ihre Erfahrungen mit BDSM trotz Behinderung zu berichten. Wenn du magst, erzähle uns doch etwas über Fesselspiele. Gehören die zu eurem Programm, und wie gestaltet ihr sie?
Silke  Es klingt derbe, ist es aber nicht: Alexandre hängt mich gern in einer Liebesschaukel auf, so in der Waagerechten. Dann fühle ich mich, als würde ich schweben. Allerdings schmerzen die Seile, die Lederbänder oder dünnen Ketten, die er verwendet. Sie graben sich während der Bondage bei jeder Schwingung in meine Haut. Ich vergehe dabei, echt…

Eronite  Die Frage ist indiskret, aber vielleicht magst du ja antworten: Wie verhält sich dein Partner in so einer Situation?
Silke  Er ist wahnsinnig erregt. Ich muss ihn manchmal mit dem Mund befriedigen. Oder er hält mir erst einen Fuß und dann seinen Penis hin. Ganz verschieden, Alexandre überrascht mich immer wieder. Manchmal betreiben wir auch nur „Mini-Bondage“, wie wir das nennen. Dann bindet mir mein Mann die Handgelenke zusammen und versetzt mir kleine Nadelstiche an der Brust oder am Bauch.

Eronite  Du hast bestimmt ein sehr feines Empfinden?
Silke  Ich denke schon. Seitdem ich im Rollstuhl sitze, bin ich viel sensibler geworden, was Hautkontakt angeht. Und Alexandre hat wirklich begnadete Hände. Die können zart und hart, und darauf stehe ich total.

Tipps für SM mit einer behinderten Frau

Eronite  Viele User werden sich von deinen Aussagen angesprochen fühlen. Hast du spezielle Tipps für Frauen mit Bewegungseinschränkungen?
Silke  Du wirst ja grundsätzlich kein anderer Mensch, weil du auf den Rollstuhl angewiesen bist. Aber du veränderst dich schon wesentlich in einigen Punkten, beispielsweise in Sachen Unternehmungslust. Jedenfalls geht es mir so. Orte, wo sich viele Leute aufhalten, irritieren mich. Ich erlebe meine Abenteuer lieber in einer vertrauten Umgebung. Mein erster Tipp: an der frischen Luft. BDSM trotz Behinderung im Freien, das ist der Burner, sage ich euch.

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Eronite  Und wie lässt sich am besten die Scheu überwinden, Sex mit einer behinderten Frau zu haben?
Silke  Ihr müsst euch mögen, euch erotisch finden, euch immer wieder antörnen. Mit Worten, mit Gesten. Dann vergesst ihr irgendwann das Handicap, jedenfalls zeitweise. Und habt ihr erst einmal die Kombi SM mit Behinderung und ein paar heftige gemeinsame Orgasmen erlebt, schweißt euch das unglaublich zusammen. Männer trauen es sich eventuell nicht zu, eine behinderte Frau anzubaggern. Oder sie haben Sachen mit ihr im Sinn, die sie selber grenzwertig finden. Ich weiß es nicht so genau. Bei Alexandre und mir war es Liebe auf den ersten Blick – von beiden Seiten.

Silke und Alexandre praktizieren BDSM trotz Behinderung

Eronite  Hat BDSM trotz Behinderung eure Beziehung gefestigt?
Silke  Hundertprozentig. Je mehr Geheimnisse und Abgründe ein Paar miteinander teilt, desto stärker wird das Zusammengehörigkeitsgefühl. Dass wir uns an BDSM trotz Behinderung herangewagt haben, wurde zum Fundament unserer Partnerschaft. Wir leben uns miteinander aus und wir erleben uns gegenseitig in ungewöhnlichen Momenten. Ich möchte diese speziellen Augenblicke der Lust nicht missen. Und ich kann mir ein Leben ohne BDSM trotz Behinderung und ohne Alexandre gar nicht mehr vorstellen. Meine frühere Lebensangst ist wie weggeblasen.

Seit 10 Jahren Camgirl: Annabel Massina im Interview

Eronite  Danke für dieses besondere Interview. Silke, wir wünschen dir alles Gute und viel Glück in der Provence!
Silke  Ich danke euch und werde weiterhin öfter mal bei eurem Erotikmagazin reinschauen.

Hast du auch etwas zu berichten?

An dieser Stelle kommen BDSMler zu Wort, die auf irgendeiner Weise physische und oder psychische Handicaps, Behinderungen, Krankheiten, chronische Krankheiten, Stoffwechselstörungen oder andere Einschränkungen haben. Sie erzählen, wie ihr Handicap ihr BDSM beeinflusst. Tabus bekommen im Zusammenhang mit Handicaps eine neue Bedeutung. Es müssen teilweise viele Aktivitäten auf die Einschränkung abgestimmt, auf manche sogar ganz verzichtet werden. Trotz allem leben sie ihr BDSM und wollen nicht darauf verzichten. Eine Einschränkung kann aber auch eine neue Perspektive in das Spiel bringen, die sich letztendlich bereichernd auswirkt.

Schließlich sind Einfallsreichtum und neue Ideen wichtige Aspekte des BDSM. Ihre Partner erzählen, auf was sie achten müssen, und wie sie das Ganze empfinden. (Leider haben sich noch keine Partner gefunden, die darüber berichten möchten, aber vielleicht ändert sich das jetzt und es melden sich einige über unser Kontaktformular.)


* Name von der Redaktion geändert


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