Spielbeziehung: Spielst du noch oder lebst du’s schon?

Von Valérie Francès-Pecker
Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten
Spielbeziehung: Spielst du noch oder lebst du’s schon?
Spielbeziehung: Spielst du noch oder lebst du’s schon?
5
(9)

Die Spielbeziehung – Spiel oder Lebenseinstellung?

„Ja, Herr“ – „Danke, Herr“. Geflügelte Worte.

Wor­te, wel­che in mei­nem Freun­des­kreis teil­wei­se schon mit einem Grin­sen auf den Lip­pen ver­wen­det wer­den. War­um ist das so? Wann ist eine Spiel­be­zie­hung ernst zu nehmen?


Eronite empfiehlt dir
Das Dating 3.0 – Die Zukunft des Dating


Ges­tern Abend führ­te ich ein Gespräch mit zwei Nicht-SMern, denen ich ver­such­te, genau die­se Art von SM zu „erklä­ren“. Das tat ich unge­fähr wie folgt: „Das ist deren Art des SM, sie sind Spie­ler. Sie leben als Mann und Frau im „rich­ti­gen“ Leben ganz nor­mal zusam­men, und wenn es ins Sexu­el­le geht, dann legen sie einen Hebel um und sind im Spie­ler­mo­dus."

Spielbeziehung: Spielst du noch oder lebst du’s schon?Die­se Aus­füh­rung bezog sich dabei auf ein ganz bestimm­tes Pär­chen. Ich frag­te mich zeit­gleich aber, wie vie­le da drau­ßen wohl so leben – als Spie­ler. Ein Bar­kee­per, der in einem SM-Club arbei­te­te, erzähl­te mir ein­mal, dass es ihm mehr als ein­mal pas­siert sei, dass Frau­en, mit denen er sich in einem Moment noch ganz nor­mal unter­hal­ten hat­te, ihn im nächs­ten mit „Ja, Herr“ anspra­chen. Sie schal­te­ten plötz­lich um, sie wech­sel­ten in einen ande­ren Modus. Mir selbst ist das­sel­be Phä­no­men bei Män­nern eben­falls auf­ge­fal­len. Die wenigs­ten begeg­ne­ten mir von vorn­her­ein kom­plett fer­tig kon­di­tio­niert, indem sie mich bei­spiels­wei­se kon­se­quent siez­ten (auch das kam vor, was ich per­sön­lich jedoch ganz und gar nicht mag). Vie­le ver­hiel­ten sich in einem Gespräch mit mir erst völ­lig nor­mal, dann lös­te irgend­et­was bei mir eine Ver­än­de­rung aus – war es mein Blick? Mei­ne Mimik? Mei­ne Stimm­la­ge – und plötz­lich waren sie im Spie­ler­mo­dus und nann­ten mich Her­rin.

Eine Spielbeziehung ist für mich kein authentisches BDSM

War­um beläch­le ich die­se Art des SM? Weil sie für mich nicht authen­tisch ist. Ich selbst benut­ze für Ses­si­ons mehr als ger­ne das Wort Spie­len, denn genau als das emp­fin­de ich es – als ein wun­der­vol­les Spiel unter Erwach­se­nen. Aber ich muss mich dazu nicht in einen ande­ren „Modus“ bege­ben. Ich spre­che nie­man­den im Spiel anders an als im nor­ma­len Leben – und ich möch­te auch nicht plötz­lich anders genannt wer­den. Noch weni­ger wür­de es mir ein­fal­len, wäh­rend einer Ses­si­on plötz­lich auf das Sie zu wechseln.

★  www​.fetisch​kon​tak​te​.fun  ★

Und wie bei fast allem kann man sich hier wie­der über die Defi­ni­ti­on des Wor­tes strei­ten. Zwei Leu­te, die bei­de das Wort „spie­len“ gebrau­chen, kön­nen damit völ­lig unter­schied­li­che Din­ge mei­nen. Der eine meint damit viel­leicht „ich möch­te etwas Erns­tes, etwas Authen­ti­sches, ich möch­te nicht bloß rum­ma­chen und rum­spie­len“. Der ande­re ver­steht dar­un­ter, so wie ich, viel­leicht wirk­lich nur die rei­ne Ses­si­on, die hal­be Stun­de, Stun­de oder auch Stun­den oder Tage, in denen es zu einem gefühls­mä­ßi­gen Höhe­punkt, einer Art „Spit­ze“ zwi­schen den Betei­lig­ten kommt. Wie­der ande­re leben ihren SM nicht immer, son­dern haben ihn manch­mal in der Spiel­be­zie­hung. Zur Befrie­di­gung ihrer kör­per­li­chen oder auch ihrer geis­ti­gen Lust. Und noch ande­re unter­schei­den, zwi­schen der ihnen emo­tio­nal wich­ti­gen Bezie­hung, Spiel­be­zie­hung und Rum­spie­le­rei, also Men­schen, mit denen man hin und wie­der etwas Spaß hat, ohne dass es „mehr“ ist.

Ich liebe das echte Machtgefälle, keine "Spielchen"

Eine klei­ne Geschich­te: Ich war kürz­lich in einem SM-Club, traf dort jeman­den zum wie­der­hol­ten Male, dem der Wunsch nach einem „Spiel“ mit mir förm­lich ins Gesicht geschrie­ben stand, und er gefiel mir, so kam er in die Situa­ti­on, in die nur die Aller­we­nigs­ten jemals kom­men – ich spiel­te mit ihm. Nur las­se ich mir nie­mals die Regeln von unten auf­dik­tie­ren, denn als D/​S‑Anhängerin mag ich ech­te Macht­ge­fäl­le, die muss ich nicht spie­len.

Das Spiel gefiel ihm nicht, denn ich war es, die die Regeln mach­te. Es war kei­ne Spiel­be­zie­hung. Die meis­ten Doms, die ich ken­ne, sind Wunsch­er­fül­ler. Spie­ler. Es ist okay, aber es ist nicht „meins“. Mit dem jun­gen Mann aus dem Club wer­de ich nicht wie­der spie­len – ihm fehlt es in mei­nen Augen an Authen­ti­zi­tät, er spielt den SM, er fühlt ihn nicht. Das ist für mich und mei­ne Zwe­cke nicht kompatibel.

Selbst das Wort Spiel­be­zie­hung wird unter­schied­lich defi­niert. Für die einen ist eine Spiel­be­zie­hung eine Ver­ein­ba­rung mit einem Men­schen, mit dem man sich zum Spie­len, also für Ses­si­ons trifft, das mehr oder weni­ger regel­mä­ßig, es aber kei­ne tie­fer­ge­hen­de emo­tio­na­le Ver­bin­dung gibt. Die ande­re, weni­ger gebräuch­li­che Defi­ni­ti­on, die des­we­gen aber nicht unrich­ti­ger ist, ist jene, die jede Bezie­hung, in der es auch zu Ses­si­ons kommt, in der also gespielt wird, als Spiel­be­zie­hung beschreibt.

Wer eine Spielbeziehung mag, soll es ausleben. Ich muss es nicht.

Nicht jeder muss in mei­nen Augen den SM so leben und füh­len, wie ich es tue. Auch ich spie­le mit den einen, und lebe es mit den ande­ren. Bei­des wür­de ich nicht mis­sen wol­len, weder mei­ne Spiel­be­zie­hung noch jene, in denen der SM Bezie­hungs­grund­la­ge ist. In die­sem wie in jedem ande­ren Punkt emp­fin­de ich es als das Aller­wich­tigs­te reflek­tiert zu sein. Und sich selbst klar­zu­ma­chen, was man denn eigent­lich möchte!

Wie ich die Din­ge auch sehen mag, blei­be ich stets mei­nem Mot­to treu: Per­vers ist erst, wenn kei­ner mehr mit­macht! Und dar­an wird sich auch kei­ne Spiel­be­zie­hung etwas ändern.

Ist SM für mich ein Spiel, wenn ja, wie oft und wie lan­ge spie­le ich es? Spie­le ich es gele­gent­lich, häu­fi­ger, stän­dig? Oder ist SM für mich die Basis einer Bezie­hung, falls ja, betrach­te ich die ein­zel­nen Ses­si­ons inner­halb die­ser Bezie­hung als Spie­le? Oder spie­le ich gar nicht und bin immer ich – ob domi­nant oder devot – egal wie: man muss sich fin­den und fühlen.

Gefällt dir die­ser Artikel? 

Klick auf einen Stern für dei­ne Bewertung! 

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 5 /​ 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 9

Bis­her kei­ne Bewer­tun­gen! Sei der Ers­te, der die­sen Bei­trag bewertet. 

Da du die­sen Bei­trag mochtest… 

… fol­ge uns doch gern auf: 

Es tut uns leid, dass du die­sen Arti­kel nicht magst. 

Lass uns die­sen Bei­trag noch ein­mal überprüfen! 

Wie kön­nen wir die­sen Arti­kel bes­ser schreiben? 


Möchtest du unseren Newsletter bekommen?

Einmal wöchentlich versenden wir unser "Bergfest" mit den neuesten Beiträgen, News, Interviews und mehr, damit du nichts mehr verpasst – kostenlos!


Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
Livecam Bonus
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare sehen

Die Buch-Empfehlung unseres Chefredakteurs Mario Meyer:
"Künstliche Intelligenz – Werden wir alle vernichtet?"Buch-Empfehlung: "Künstliche Intelligenz – Werden wir alle vernichtet?"