Verschwörungstheorie: DNA des Sexpartners bleibt für immer!

Von Benno von Sandhayn
Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten
Verschwörungstheorie: DNA des Sexpartners bleibt für immer!

Die DNA des ersten Sexpartners im eigenen Körper

Die Corona-Pandemie verunsichert die Menschen, weil es praktisch jeden betrifft. Aus Verunsicherung, kombiniert mit Angst und Halbwissen, entstehen Verschwörungstheorien. Obwohl eine Impfung nachweislich gegen Covid-19 schützt, wollen sich viele Menschen nicht impfen lassen, da sie Nebenwirkungen und unvorhergesehene Reaktionen fürchten. Zu diesen Theorien gehört die Annahme, dass die DNA des Sexpartners auf die Frau übertragen wird, die somit den Samenabdruck des ersten Mannes für immer in ihren Genen trägt.

Eine Weitergabe der DNA des Sexualpartners?

Verschwörungstheorie: DNA des Sexpartners bleibt für immer!Die Theorie der Weitergabe der DNA des Sexpartners stammt aus der Genetik und heißt Telegonie. Sie besagt, dass der erste Sexpartner einer Frau durch sein Sperma Erbgut und Aussehen aller künftigen Nachkommen prägt. Die Theorie entstand in der Antike und wurde bis ins 19. Jahrhundert vertreten. Tierzüchter nahmen beispielsweise an, dass ein Zuchttier, das zuerst von einem Mischling gedeckt wurde, nie mehr reinrassige Jungen bekommen könne. Obwohl diese Auffassung längst widerlegt wurde, geistert sie heute noch in diversen Foren im Internet als Verschwörungstheorie herum.

Die Aussage, dass die DNA des Sexualpartners mit dem Sperma weitergegeben würde, beruht auf einer Fehlinterpretation einer Studie, die mit einer australischen Fliegenart durchgeführt wurde. Wenn die Aussage der Telegonie wahr wäre und die DNA des Sexpartners beim Samenerguss übertragen werden würde, dürfte eine europäische Frau, deren erster Sexpartner (beim ungeschützten Sex) ein Afrikaner oder Asiate war, nie mehr weiße Kinder zur Welt bringen. Studienergebnisse aus der Untersuchung von Fliegen lassen sich nicht auf den Menschen übertragen.

Was hat die Telegonie mit Covid-19 und der Impfung zu tun?

Auf den ersten Blick scheint es da keinen Zusammenhang zu geben. Jedoch nutzen Verschwörungstheoretiker und Impfgegner einige aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen sowie offensichtliche Unwahrheiten als Argumente, um sich nicht gegen Covid-19 impfen zu lassen und andere durch scheinwissenschaftliche Behauptungen von der Richtigkeit ihrer Auffassungen zu überzeugen.

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Sie benutzen die Behauptung, die DNA des Sexpartners würde beim Samenerguss auf die Gene der Frau übertragen, um vor der Impfung zu warnen. Zwei falsche Annahmen stecken hinter der Verschwörungstheorie:

  • Die gegen das Coronavirus entwickelten mRNA-Impfstoffe bewirken
    Veränderungen im Erbgut der geimpften Personen.
  • Diese veränderten Gene werden beim ungeschützten Sex an die Frau
    weitergegeben, die sie wiederum an ihre Kinder weitergibt.

Diese Annahmen sind falsch und durch keinerlei belastbare Studien oder Tests bestätigt. Eigentlich wären Behauptungen, dass die DNA des Sexpartners beim Samenerguss weitergegeben wird und der Samenabdruck des ersten Mannes für immer in den Genen der Frau verbleibt, lächerlich. In Fakt muss man diese Behauptungen jedoch ernst nehmen, weil sie Menschen verunsichern und sie dazu bringen könnten, sich nicht impfen zu lassen. Außerdem sind schon mehrere Beziehungen deswegen gescheitert. Die Frau, manchmal auch der Mann, hatten Angst davor, dass die DNA des Sexualpartners auf ihre Gene übertragen werden könnte. Die Angst war so stark, dass die Beziehung daran zerbrach.

Können die mRNA-Impfstoffe die Gene im Körper verändern?

Nein, das ist nicht möglich, nicht beim Geimpften und erst recht nicht die DNA des Sexpartners. Die Furcht, dass beim Impfen Fehler auf das Erbgut übertragen und diese durch das Sperma auf den Sexpartner übertragen werden könnten, ist unbegründet.
Warum? Das liegt in der Natur der Impfstoffe begründet. mRNA heißt Messenger Ribonukleinsäure, auf Deutsch Boten-RNA. Erbinformationen werden jedoch durch DNA gespeichert. DNA heißt Desoxyribonukleinsäure.

Warum diese Frau Sex mit 99 Menschen hatte

RNA kann sich nicht in DNA umwandeln. Die mRNA Impfstoffe gegen das Coronavirus arbeiten nach folgenden Prinzip:

  • Der Impfstoff enthält Bruchstücke des Erbmaterials des Coronavirus in Form von einigen Virus-Proteinen.
  • Gelangt der Impfstoff in den Körper, regt er einige Körperzellen an, diese Virusproteine herzustellen. Das Immunsystem erkennt das fremde Protein und bildet Abwehrstoffe. Das erklärt zum Beispiel auch die Nebenwirkungen in Form von Kopfschmerzen und Mattigkeit, die viele Menschen nach dem Impfen empfinden.
  • Durch die Impfung wird das Immunsystem sozusagen darauf trainiert, die Proteine des Coronavirus zu erkennen und die Viren zu bekämpfen. Kommt es nach der Impfung zu einer Infektion, wird diese meistens erfolgreich abgewehrt oder verläuft zumindest milder als bei ungeimpften Personen.

Kann RNA in DNA umgewandelt werden?

Das ist normalerweise nicht möglich. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass die geänderte DNA des Sexpartners an die Nachkommen weitergegeben wird. Bei der mRNA handelt es sich um einen reinen Botenstoff. Er hat die Aufgabe, Informationen aus dem Zellkern in andere Bereiche der Zelle zu transportieren. Wenn diese Aufgabe erfüllt ist, zerfällt die mRNA wieder und wird bei Bedarf erneut in der Zelle hergestellt.

Es besteht zwar die Möglichkeit, dass genetische Informationen der RNA in die DNA gelangen könnte (reverse Transkription), die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering. Noch geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die DNA des Sexualpartners beim Samenerguss übertragen wird.

Warum dürfen dann Frauen, die an Impfstoff-Tests teilnehmen, nicht schwanger sein?
In der Tat wurden für die Studien Schwangere nicht zugelassen. Alle Studienteilnehmer, Frauen und Männer, mussten sich verpflichten, bis zu 60 Tagen nach Ende der Studie hochwirksame Methoden der Empfängnisverhütung zu verwenden. Der Grund dafür ist aber nicht Furcht vor einer Übertragung einer veränderten DNA des Sexpartners, sondern Furcht vor der Schwangerschaft selbst.

Während der klinischen Prüfung sollte eine Schwangerschaft absolut ausgeschlossen werden, weil es noch keine Erkenntnisse über die Verträglichkeit des Impfstoffs während der Schwangerschaft gab.

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Die Furcht, dass die veränderte DNA des Sexpartners durch den Impfstoff auf die Frau übertragen und von dieser an ihre Nachkommen weitergeben werden könnte, ist doppelt unbegründet. Erstens prägt der Samenabdruck des ersten Mannes nicht die Gene der Frau und zweitens verändert der Impfstoff weder die DNA des Geimpften noch die DNA des Sexualpartners. So lange es keine Medikamente gegen Covid-19 gibt, ist die Impfung der einzige wirksame Schutz gegen den Coronavirus.

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