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Mode für Kleinwüchsige in jeder Konfektionsgröße

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Mode für Kleinwüchsige in jeder Konfektionsgröße
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Jeder kleinwüchsige Mensch sollte schöne Kleidung kaufen können

Spezielle Mode für kleinwüchsige Männer und Frauen

Früher wurden Kleinwüchsige als Liliputaner, Zwerge oder Kobolde auf Jahrmärkten als Attraktionen verspottet, als lebendige Kanonenkugel verschossen oder beim „Zwergenweitwurf“ gedemütigt. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei und mittlerweile gibt es Mode für Kleinwüchsige in jeder Konfektionsgröße. Leider noch nicht in größerem Stile, aber eine Modeschöpferin aus Berlin machte zumindest den Anfang.

Mode für Kleinwüchsige in jeder Konfektionsgröße

Unter 130 cm gilt ein Mensch als extrem kleinwüchsig

Allein in Deutschland sind circa 100.000 Menschen kleinwüchsig, doch die konventionelle Modeindustrie entwarf und schneiderte bisher an ihnen vorbei. Als existierten Kleinwüchsige als Zielgruppe gar nicht. Mode von der Stange war oft nur nur in Einheitsgrößen zu haben. Die 26jährige Designerin Semy Gedik aus dem Berliner Szeneviertel Neukölln, mit 128 Zentimetern Körpergröße selbst kleinwüchsig, empfand diesen Zustand als ungerecht und entwarf kurzerhand ihre eigene Mode für Kleinwüchsige. Sie hat hierfür eine eigene Konfektionsgrößentabelle ins Leben gerufen – die weltweit erste für Kleinwüchsige überhaupt! Ihrer Kollektion gab sie den vielsagenden Namen „Auf Augenhöhe“.

Mode für Kleinwüchsige: die Proportionen sind einfach anders

Mode für Frauen mit Kleinwuchs (auch Kleinwüchsigkeit oder Mikrosomie) bedeutet auch auszubrechen aus der weit verbreiteten Vorstellung, man müsse bei Kleidung von der Stange doch einfach nur Ärmeln und Hosenbeine kürzen und schon sei etwas Passendes für Kleinwüchsige gefunden. Doch weit gefehlt, denn die Proportionen bei kleinwüchsigen Menschen sind einfach anders. Oft sitzen die Hosentaschen dann falsch oder die Ellenbogen der Hemden und Blusen sitzen plötzlich an den Handgelenken. „Spontane Ideen, um schnell noch etwas für den Abend zum Anziehen zu kaufen, waren einfach nicht drin“, klagt die kleinwüchsige Modeschöpferin aus der deutschen Hauptstadt. „Jeder Klamottenkauf musste lange geplant und viel Zeit mitgebracht werden.“

Mode für Kleinwüchsige: die Proportionen sind einfach andersSema Gedik studierte Modedesign und beschäftigte sich erstmals 2013 nach einem Gespräch mit ihrer Cousine mit der Mode für Kleinwüchsige. Über 400 kleine Menschen hat sie seitdem vermessen und entdeckte die ein oder andere Gemeinsamkeit, zum Beispiel einen ausgeprägten Gesäßumfang, abgerundete und kurze Arme sowie kräftige Oberschenkel. Schon zwei Jahre später liefen ihre ersten kleinwüchsigen Models auf der Berliner Fashion Week. Weitere 24 Monate später kam ihr die Idee einer Größentabelle für kleinwüchsige Männer Frauen. Ihre Models waren so begeistert, dass die Kleidung gleich beim ersten Anprobieren passte, dass sie von „unbeschreiblichen Gefühlen“ sprachen und „so etwas noch nie erlebt“ zu haben.

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Die Modeindustrie ignorierte bisher Frauen mit Kleinwuchs

Die Modedesignerin leistet hier echte Pionierarbeit auf diesem Gebiet, Mode für kleine Frauen existiert in der Textilindustrie quasi nicht. Selbst in Skandinvien und den Vereinigten Staaten gibt es nur zarte Ansätze. „Jeder kleinwüchsige Mensch sollte schöne Kleidung kaufen können. Doch es gibt nach wie vor keine Mode in einheitlicher Konfektionsgröße„, moniert die kleine Berlinerin Sema Gedik. Zu Beginn ihrer Tätigkeit gab es Herausforderungen, die gemeistert und Hürden, die überwunden werden mussten. Die Körperformen zu verstehen, war eine der größten davon. Die Schnittführung war wegen der Häufung von Hohlkreuzen komplizierter als bei herkömmlicher Kleidung. Als sie ihr erstes Sakko herstellte, mussten ihre Models unzählige Anproben über sich ergehen lassen.

Bei Erwachsenen bedeutet Kleinwuchs eine Körpergröße von unter 150 cm. Extremer Kleinwuchs (früher als Zwergwuchs oder Nanosomie bezeichnet) führt zu einer Endkörpergröße von unter 130 cm.

Selbst einfache Strumpfhosen zu kaufen, war für kleinwüchsige Frauen ein Spießrutenlauf. In Kaufhäusern und Boutiquen wurden sie oft in die Kinderabteilungen geschickt, doch Feinstrumpfhosen fanden sich hier nie. Und Baumwollstrumpfhosen sehen auch an kleinwüchsigen Frauen nicht sexy aus. Allen Menschen jenseits der Normgrößen möchte die Schneiderin in Zukunft zu einem erfolgreichen Einkaufserlebnis verhelfen und vermisst dazu ständig kleinwüchsige Menschen aus Deutschland und anderen Ländern.


Feinstrumpfhose »Glamory Short 20« für kleinwüchsige Frauen

In der Gesellschaft ist es bereits gelebte Realität, in der Modewelt jedoch noch nicht so richtig angekommen: die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Doch gerade Mode für Kleinwüchsige kann hier den Kreis schließen, der mit inkludierten Schulen, an denen alle Kinder gemeinsam lernen, eröffnet wurde, sinnvoll geschlossen werden. Als Alltagsprodukt sollen Kleidung und Dessous für kleinwüchsige Frauen und Männer genauso viel Spaß machen wie den „Großen“. Jeder Mensch möchte sich durch die Individualität seiner Kleidung ausdrücken und seinen eigenen Stil finden – unabhängig von der eigenen Körpergröße.

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