Nachgefragt: Wie ist das, ein Femboy zu sein?

Von Stephan Gubenbauer
Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten
Nachgefragt: Wie ist das, ein Femboy zu sein?
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Wie ist ein Leben als Femboy?

Auf seinem beliebten Youtube-Kanal Leeroy will’s wissen hat Leeroy Matata in seiner Sendung “Nachgefragt: Wie ist das…?” den Femboy Puru getroffen. Nach dem ersten Gespräch im Jahr 2018 zum Thema Asexualität hat er Puru noch einmal zum Interview eingeladen und eine deutliche Persönlichkeits-Entwicklung festgestellt. Denn Puru weiß jetzt: “Ich bin ein Femboy”.

Was ist ein Fem-Boy? Darunter ist ein junger Mann zu verstehen, der sich weiblich kleidet und weiblich aussieht. Die Bezeichnung Femboy setzt sich aus “Female” und “Boy” zusammen und gibt keine Auskunft über die Sexualität. Die Femboy-Szene ist noch neu und es gibt bisher keine genauen Zahlen darüber. Ein Femboy kann bisexuell, homosexuell oder sogar heterosexuell sein. Puru selbst bezeichnet sich als homo- und asexuell zugleich. Er hat einen Partner, ist aber kaum an sexuellem Kontakt mit diesem interessiert. Auch sein Alter will der Bochumer Femboy nicht verraten.

»Femboys zerstören die toxische Maskulinität«

Als Leeroy zum Interview zu erscheint, ist der sehr zierlich gebaute, junge Mann bereits anwesend. Puru ist mit rosa-weißen Turnschuhen, weißen Overknee-Strümpfen, einem weiß-rosanen Rock und einem rosa-weißen Manga-Girl-Shirt gekleidet. Er trägt einen auffälligen, rosa Kurzhaarschnitt mit einem Öhrchenhaarreif, an dem sich Glöckchen befinden. Seinen Kleidungsstil bezeichnet Puru als “Kawaii-Style”. Das ist eine japanische Fashionkultur, die übersetzt “süß, niedlich oder kindlich” bedeutet.

Zu Beginn lassen die beiden nochmals die Beleidigung vom vergangenen Interview Revue passieren. Denn während des Gesprächs vor drei Jahren hat ein Fahrradfahrer Puru grundlos in der Öffentlichkeit verbal angegriffen und als “Schwuchtel” tituliert. Für das Kamerateam und Leeroy war das ein schockierender Moment, nicht aber für Puru. Traurigerweise ist der Femboy diese Art von Diskriminierung, Anfeindung und Ablehnung von anderen gewohnt. Als Puru erklärt, was einen Femboy ausmacht, sagt er: “Femboys zerstören die toxische Maskulinität”. Damit meint er die Stereotype des Mannes wie “Männer weinen nicht, Männer sind stark und muskulös, Männer zeigen keine Gefühle”. Femboys durchbrechen das und möchten Männern und Jungs die Message vermitteln, dass es in Ordnung ist, als Mann schwach zu sein, zu weinen und auch Make-up zu tragen, wenn es ihnen gefällt.

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Puru schminkt sich gerne, trägt Kunstfingernägel und experimentiert gerne mit seinen Haaren. Er ist der Ansicht, Femboys könnten das männliche Bild etwas lockern, ohne das jeder als schwul abgestempelt wird. Er findet, dass jeder tragen können sollte, was ihm gefällt und worin er sich wohlfühlt.

Früher wurde der Femboy gemobbt und beleidigt

So selbstbewusst wie heute war Puru nicht immer. Das Thema Mobbing begleitet ihn fast schon sein ganzes Leben. Bereits in jungen Jahren wurde der Femboy über das Internet gemobbt. Es gab aber auch harte Beleidigungen und Mobbing in seiner eigenen Familie. Als die Sprache auf Purus familiäres Verhältnis und dem Umgang mit seinem Femboy-Dasein kommt, gleitet sein Blick auf den Boden. Plötzlich wirkt er traurig, sein Kopf ist gesenkt. Obwohl man die Augen nicht richtig sehen kann, kann man die Traurigkeit darin erkennen.

Nachgefragt: Wie ist das, ein Femboy zu sein?Puru sucht nach Worten und über-gestikuliert nervös und hektisch mit den Händen. Es scheint, als liefen die Szenen von damals noch einmal in seinem Kopf ab, während er spricht. Er beginnt die Reaktionen seiner Mutter zu beschreiben und erzählt, wie sie ihn einige Zeit ohne Worte musterte und ihm dann völlig abwertend ins Gesicht sagte: “Du siehst widerlich aus. Ich habe dich in die Welt gebracht, genauso kann ich dich wieder zurücknehmen.”

Am exakten Wortlaut, den Puru verwendet, kann man sehen, wie sehr ihn diese herzlose Aussage verletzt hat. Auch sein Vater empfand nur Abneigung für den Femboy. Er zerstörte die Kleidung und entsorgte das Make-up seines Sohnes im Müll. Puru erzählt, wie hart er für diese Sachen gespart habe und dass er alles wieder aus dem Müll geholt habe. Die Nachbarn beobachteten ihn dabei und anstatt ihm zu helfen, lachten sie ihn nur aus. Man kann die Demütigung fühlen, während er erzählt, und bekommt eine Vorstellung davon, welche dramatischen Szenen sich in seinem Leben ereignet haben müssen. Dazu gehört leider auch Gewalt seines Vaters, der ihn fast täglich geschlagen, ja sogar misshandelt habe. In diesem Teil des Interviews erwähnt der Femboy unter Räuspern und mit gesenktem Blick etwas Wunderbares und Tragisches zugleich: “Ich wurde schon so viel geschlagen, misshandelt, beleidigt und psychisch fertig gemacht. Aber ich stehe immer noch zu mir wie ich bin. Man kann mich auch mit Schlägen nicht züchtigen.” Dann erzählt er weiter, dass er sich immer heimlich im Schul-WC geschminkt und umgezogen habe und dann wieder “normal” nach Hause gekommen sei. Eines Tages habe sein Vater ihn jedoch dabei erwischt und ihn hart mit Schlägen bestraft. Er sei sogar mehrfach auf Puru gesprungen und sagte, er müsse nicht jedem seine Sexualität zeigen.

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Der Femboy wendet sich direkt an die Zuschauer und gibt ihnen eine aufbauende und ermutigende Message mit auf den Weg: “Ihr seid nicht komisch oder anstrengend, nur weil ihr anders seid. Steht einfach zu euch, so wie ich es auch geschafft habe, trotz allem zu mir zu stehen.”

Wie reagieren die Menschen auf einen Paradiesvogel wie Puru?

Leeroy möchte wissen, wie die Menschen auf Puru reagieren. Er meint, dass Jungs ihn hassten, Mädchen ihn feierten und Typen “horny” seien. Er bekomme tatsächlich manchmal von “Heteros”, die seiner Meinung nach nur ihre wahre Sexualität verleugnen, eindeutige sexuelle Angebote. Außerdem ist der Femboy der Meinung, dass auch die Jungs, die ihn hassen, nur von sich und ihrer eigenen Homosexualität ablenken wollten. Er findet, dass sie nicht dazu stünden und deswegen neidisch seien, dass er genau das könne. Die Angebote seien ihm nicht unangenehm, für ihn gehöre “Catcalling”, die verbale Form des sexuellen Interesses, einfach zum Leben.

Am Schluss des Interviews gibt Puru noch einen Ratschlag für alle Femboys und die, die es noch werden möchten: Sie sollten in kleinen Schritten anfangen ihr Selbstbewusstsein aufzubauen. “Wenn dir die Farbe Mint gefällt, dann trage erst einmal nur ein Mint-Armband. Dann einen Ring und erst dann ein T-Shirt oder mehr. Beginne minutenweise dich und dein Umfeld an deinen Style zu gewöhnen und überfordere weder dich noch dein Umfeld damit.” Für Puru ist alles schon Normalität geworden. Er hofft, dass jeder Femboy sagen kann, dass er glücklich mit seinen Klamotten ist, sich und seinen Style als individuell sieht und damit zeigt, was ihn persönlich ausmacht.

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Sicher wäre die Welt dann ein bisschen bunter. Puru ist ein toller Vorreiter und ein gutes Vorbild für das Lösen der gedanklichen Fesseln der Menschheit. Der Femboy aus Bochum hat Schlimmes erlebt, ist immer wieder aufgestanden und hat weiter gekämpft. Er steht zu sich und hat innerhalb der letzten drei Jahre einen sehr großen Wandel durchlebt, auf den er stolz sein kann.

Puru, ein selbstbewusster Femboy, der weiß, was er will und der sich vor allem selbst treu bleibt.

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