Apple will auf iPhones & Co. illegale Inhalte scannen

Von Benno von Sandhayn
Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten
Apple will auf iPhones & Co. illegale Inhalte scannen
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Droht die totale Überwachung?

Nicht nur Vertreter von Verschwörungstheorien, sondern auch kritische Mainstreammedien und Whistleblower wie Edward Snowden warnen seit geraumer Zeit davor. Dass Smartphones als Abhörgeräte verwendet werden können, steht technisch außer Frage. Nun könnte eine Ankündigung von Apple die schlimmsten Befürchtungen aller Datenschützer Wirklichkeit werden lassen. Der Internetriese will illegale Inhalte scannen und das Ergebnis gegebenenfalls an Behörden weiterleiten.

Apple will nach illegalen Inhalten scannen

Apple will auf iPhones & Co. illegale Inhalte scannenApple verkündete, derzeit an einer Software zu arbeiten, welche auf den Endgeräten der Benutzer nach illegalen Inhalten suchen soll. Hierbei soll es vor allem um Kinderpornographie gehen. Die Software scannt das Apple-Gerät des Benutzers. Ist der Algorithmus der Meinung, etwas gefunden zu haben, wird eine Prüfstelle verständigt. Beispielsweise wird jedes Foto, das auf iCloud hochgeladen wird, mit einem Sicherheitssiegel versehen. Häuft sich die Anzahl als kritisch gemeldeter Fotos, wird die Prüfstelle kontaktiert. Das, aus echten Menschen bestehenden, Prüfteam alarmiert die Behörden, sollte es sich bei den Befunden tatsächlich um illegale Inhalte handeln.

Unnötig oder unverzichtbar? Das Internet ist voll von illegalen Inhalten. Das steht außer Frage. Kinderpornografie, terroristische Vereinigungen, Enthauptungsvideos, Drogen- und Waffenverkäufe im Darknet, die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Warum nicht also illegale Inhalte scannen und das Internet zu einem sichereren Ort machen? Der Grundgedanke ist mit Sicherheit richtig, wirft aber Fragen auf.

Wer mit der Aufgabe betreut wird, illegale Inhalte zu scannen, erhält nicht nur eine große Verantwortung, sondern auch Macht. Soll diese Macht wirklich in die Hände eines gewinnorientierten Unternehmens gelegt werden? Sicher haben die Mitarbeiter von Apple das Know-How, um wirksam im Internet illegale Inhalte zu scannen. Vielleicht sind sie damit sogar erfolgreicher als so manche Regierung, für die das Internet heute noch Neuland ist.

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Wer in Zukunft illegale Inhalte scannen darf, sollte sich auf jeden Fall ebenfalls diversen Überprüfungen unterziehen müssen. Spätestens hier muss jemand ran, der nicht für den eigenen Profit arbeitet. Doch auch hier bleibt die Überlegung, ob ein verstaatlichtes Unternehmen oder eine Behörde illegale Inhalte scannen oder überwachen soll? Die Antwort variiert wahrscheinlich je nach den im Land des Unternehmens gültigen Gesetzte. Sollte die chinesische Regierung, der Kreml oder die NSA letzten Endes den Daumen darauf haben, illegale Inhalte zu scannen? Auch hier bleibt mehr als nur ein fahler Beigeschmack.

Apple will auf iPhones & Co. illegale Inhalte scannenÜber kurz oder lang wird es zu einer Überwachung des Internets kommen. Ein Teil davon wird es sein, illegale Inhalte scannen zu können. An diverse Cookies und Trojaner werden wir uns gewöhnen müssen. Bei den meisten von uns befinden sie sich ohnehin schon auf der Festplatte, ganz ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Hier wäre ein, offiziell von der Regierung verschickter Trojaner denkbar. Dieser könnte illegale Inhalte scannen und den User über seine Tätigkeit genauestens in Kenntnis setzen. Es muss auch nicht unbedingt ein zusätzliches Programm sein. Eine Erweiterung des bereits verwendeten Antivirenprogramms wäre denkbar. Ein neuer Button “illegale Inhalte scannen” und die Sache wäre in den meisten Fällen bereits erledigt. So lange die Software ausschließlich nach illegalen Inhalten wie Kinderpornografie sucht, könnte sie sich bei einem Großteil der Bevölkerung sogar ausgesprochener Beliebtheit erfreuen.

Andere Verwendungsarten, als lediglich illegale Inhalte scannen, wären möglich
Die Software wurde zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch geschrieben und hat selbstverständlich seine Daseinsberechtigung. Aber wie das mit Programmen nun einmal so ist: Sie können relativ einfach umgeschrieben, erweitert und verbessert werden. So wäre es vorstellbar, dass dieselbe Software plötzlich nicht nur nach Kinderpornos sucht, sondern auch nach rechts- oder linksextremen Inhalten. Auf einmal werden nicht nur Bilder und Videos überprüft, sondern auch die Musiksammlung, der Browserverlauf und die eingegebenen Suchanfragen. Die Möglichkeiten für eine derartige Überwachung sind technisch heute schon ohne weiteres gegeben.

Der Große macht es vor und die Kleinen müssen nachziehen

Apple, als einer der größten und mächtigsten Unternehmen der Welt, will nun als Vorreiter in Sachen Sicherheit im Internet fungieren. Dies setzt vor allem kleinere Software-Unternehmen unter Druck. Wenn die Behörden jederzeit Daten von Apple zugespielt bekommen, werden sie dies auch von anderen Anbietern verlangen.

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Von einem Dammbruch in der Branche ist die Rede, dem sich kleinere Anbieter nicht allzu lange entziehen können. Somit würde eine komplette Überwachung durch das eigene Smartphone schnell zur Realität werden.

Werden unsere Smartphones zu Abhörgeräten? Darf man im Internet noch nach dem Film Endstation Babystrich suchen, ohne dabei auf eine Fahndungsliste zu geraten? Urteilt eine künstliche Intelligenz in Zukunft darüber, was auf unseren Geräten richtig oder falsch ist? Steht bald die Polizei vor der Tür, nur weil ein Algorithmus einen Fehler gemacht hat? Wird es einen Big Brother á la George Orwell geben?

So schlimm wird es mit Sicherheit nicht werden. Doch die Möglichkeit der totalen Überwachung lässt aufhorchen und vorsichtig werden. Ein sensibler Umgang mit den eigenen Daten sollte heutzutage eine Grundvoraussetzung sein. Dazu gehören auch die Bilder und Videos, die in irgendeine Cloud hochgeladen oder per Mail verschickt werden. Wobei man generell von kinderpornografischen und anderen illegalen Inhalten tunlichst die Finger lassen sollte.

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